[TsCA] Weihnachten im Erzgebirge

Kaum eine andere Region in Deutschland ist so bekannt für seine Weihnachtstradition wie der Freistaat Sachsen. Dresdner Christstollen, Herrenhuter Sterne, Pulsnitzer Pfefferkuchen und vieles mehr sind weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Mit dem Dredner Strietzelmarkt haben wir einen der ältesten Weihnachtsmärkte Deutschlands und in der Bach-Stadt Leipzig findet ihr den weltgrößten freistehenden Adventskalender mit 3×2 Meter großen „Türchen“ und einer Gesamtfläche von über 850 Quadratmetern.

Im Rahmen unseres Weihnachtsprojektes „The six Christmas Angels“ möchte ich Euch allerdings in eine Gegend, etwas ferner der beiden sächsischen Großstädte entführen: ins Erzgebirge. Das Erzgebirge ist bekannt für seine jahrhundertealte, weihnachtliche Tradition und von dieser möchte ich Euch heute ein wenig berichten.

„Gar fer Gar gehts zimm Advent, uf denn Budn nauf,
werd e Mannl aufgewackt, komm nu stiehste auf!“

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Jedes Jahr kurz vor dem 1. Advent werden bei uns die „Männeln geweckt“ – Räuchermänner, Engel & Bergmann, Pyramiden, Schwibbögen und Nussknacker werden vom Dachboden geholt und finden nach und nach ihren Platz in der Wohnung.

  • Engel & Bergmann – so viele Mädchen bzw. Jungen in einem Haus leben, so viele Engel bzw. Bergmänner werden in die Fenster des Hauses gestellt.
  • Schwibbögen – das traditionellste Motiv zeigt 2 Bergmänner sowie einen Schnitzer und eine Klöpplerin und symbolisiert die 3 Haupteinnahmequellen der Bevölkerung des Erzgebirges im 18./19. Jahrhunderts. Schwibbögen in den Fenstern zeigten den Bergmännern früher den Heimweg in der Dunkelheit.

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  • Nussknacker – wie der Name schon sagt knackt diese Figur, meist ist es ein Korporal/Husar, mittels eines Hebelmechanismus Nüsse
  • Pyramiden – „Peremett“, mehrstöckige, karussellartige Gestelle welche sich mit Hilfe der aufsteigenden Wärme von angezündeten Kerzen drehen. Verziert sind sie mit christlichen oder weltlichen Motiven.

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  • Räuchermann – „Raachermannel“ ,die meist zweigeteilte Figur dient zum Abbrennen von Räucherkerzchen. Das angezündete Räucherkerzchen steht auf dem Unterteil, der obere Teil ist ausgehölt und durch ihn steigt der Rauch nach oben und tritt aus dem Mundloch wieder aus.

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Die Holzkunstherstellung kann man in einer Vielzahl von Handwerksbetrieben noch hautnah miterleben, z. Bsp.  an den Tagen des traditionellen Handwerks. Weil mittlerweile sehr viele der Figuren nachgeahmt, in Fernost billig hergestellt und hier wesentlich günstiger verkauft werden, wie die Echte Erzgebirgische Volkskunst hat der Verband der Erzgebirgischen Kunsthandwerker und Spielzeughersteller e. V. gemeinsam mit dem Fachhandel sowie vielen Handwerksbetrieben und Manufakturen aus dem Erzgebirge die Aktion „Original statt Plagiat“ ins Leben gerufen, um den Wert der Erzgebirgischen Holzkunst zu wahren und darüber zu informieren, wo es einheimische Qualitätsarbeit gibt. Wenn ihr also untenstehendes Motiv in einem Geschäft entdeckt, könnt ihr Euch sicher sein, dass ihr einheimische Holzkunstartikel aus dem Erzgebirge kauft.

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Bildquelle: www.erzgebirge.org

Tief verwurzelt mit dem Erzgebirge ist die lange Bergbautradition. Aber nicht nur als Motive der Erzgebirgischen Holzkunst sind die Bergmänner heutzutage bekannt. Jährlich finden in der Adventszeit große Bergparaden statt- oftmals mit mehreren hundert Beteiligten. Die größte Bergparade mit über 1000 Mitwirkenden findet alljährlich am 4. Advent in Annaberg statt. Dann  ziehen Uniformträger und Musiker aus Sachsen und den Bergbauregionen ganz Deutschlands durch die Stadt und treffen sich am Ende zum großen Bergkonzert vor der St. Annenkirche.

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Bildquelle: www.annaberg-buchholz.de

 

Wir hatten Holzkunst und Bergparaden…was fehlt noch? Richtig … etwas für den Gaumenschmaus.

„Mir hobn a Neinerlaa gekocht…“

Am Heilig Abend, pünktlich 18 Uhr, wenn allernorts die Kirchenglocken läuten, kommt das traditionelle Festessen auf den Tisch- das Neunerlei (Neinerlaa). Wie der Name schon sagt, besteht es aus 9 verschiedenen Gerichten und jedes Familienmitglied muss von jedem der 9 Gerichte essen – denn jede Speise hat eine symbolische Bedeutung. Ein Beispiel für ein typisches Neunerlei wäre eine Kombination aus folgenden 9 Speisen:

  • Linsen – für das Kleingeld im neuen Jahr
  • Klöße – damit das große Geld im neuen Jahr nicht ausgeht
  • Sauerkraut – damit einem das Leben nicht sauer wird
  • Bratwurst – für den Erhalt der Kraft
  • Sellerie – für die Fruchtbarkeit
  • Brot & Salz – für die Gastlichkeit der Familie
  • Gans, Schweinebraten oder Kaninchen – für das Glück im kommenden Jahr
  • Rote Beete – damit es rote Wangen gibt, also für die Gesundheit
  • Nüsse – damit der Lebensweg gut geölt ist, also das Leben einen guten Verlauf nimmt.
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Bildquelle: www.erzgebirge-tourismus.de

Das Neunerlei variiert regional und wird von Familie zu Familie anders kombiniert.

Ich könnte Euch noch sooo viel mehr über die Weihnachtstradition in unserem schönen Erzgebirge berichten, aber dann würde dieser Bericht einfach ellenlang werden. Deshalb möchte ich an dieser Stelle schließen und hoffe, Euch hat mein kleiner Ausflug ins weihnachtliche Erzgebirge gefallen.

Nachdem es gestern von Annika ein hübsches DIY gab, erwartet Euch morgen Franzy mit einem weihnachtlichen Nageldesign.

Katja1

 

 

 

 

 

 

5 Comments

  1. sandra

    Hallo Katja,
    Auch wieder ein sehr schöner Bericht, vieles von den Sachen haben wir auch, bis auf das 9 erlei. Heiligabend gibt es bei uns Wiener mit Kartoffelsalat.

    Sind das deine Engel? Holst du dir da jedes Jahr einen neuen?

    Liebe Grüße

    • Katja

      Hallo Sandra,
      nein, es sind nicht meine Engel-aber ich sorge jedes Jahr für „Nachschub“ auf der Engelwolke. Sie gehört meiner Mama- ein echter Blickfang, oder 😉
      Liebe Grüße
      Katja

  2. Doris Holfert

    Schöner Bericht, ABER eine kleine Korrektur gibt es
    Das heißt: Gahr für Gahr gieht’s zun Advent of’n Buden nauf,
    werd e Mannel aufgeweckt: „Komm, nu stehste auf!“

    Liebe grüße aus dem Erzgebirge

    • Katja

      Hallo Doris,
      dankeschön 🙂
      Mit dem erzgebirgischen Dialekt ist das ja so eine Sache- es gibt ja keine einheitliche Schriftsprache und Schreibweise. Sehr oft unterscheidet sich der Dialekt schon von Ort zu Ort. Es ist schwierig, da dich richtige Schreibweise zu treffen.
      Liebe Grüße
      Katja

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